Aus den offiziellen Informationsunterlagen zum Umbaugeschehen:
Liebe Mitbürger von Dresden,
sehr geehrte Fahrgäste,
in den letzten Monaten haben Sie sowohl aus der Presse als auch durch Radio
oder Fernsehsendungen erfahren, dass die Dresdner S-Bahn vorerst im Abschnitt
Pirna - Dresden Hbf zu einem modernen Nahverkehrsmittel ausgebaut werden soll.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo sich das große Bauvorhaben auch in
Ihrer
Nachbarschaft abspielen wird. Wir möchten Ihnen im folgenden die anstehenden
Bauarbeiten und die Gründe dafür etwas näher erläutern.
Die S-Bahn wird ihrem Namen nur gerecht, wenn verschiedene Anforderungen und Kriterien erfüllt werden. Dazu gehören z. B. eigener Bahnkörper kurze und vertaktete Zugfolge, hohes Beschleunigungsvermögen, Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Anschlussbeziehungen zu Straßenbahn und Bus, Fahrgastinformationssystem. Einige der Kriterien (Taktfahrplan, Erhöhung der Zugzahlen, Einführung der Linie nach Arnsdorf) wurden in den vergangenen Jahren bereits erfüllt. Dennoch können die gestiegenen Beförderungsaufgaben mit der vorhandenen Gleisinfrastruktur nicht mehr qualitätsgerecht bewältigt werden.
Seit seiner Eröffnung, am 01. August 1848, stellt der Abschnitt Pirna - Dresden Hbf der Strecke Bodenbach Dresden eine wichtige Verbindung im Ballungsraum Oberes Elbtal dar. Dies erkannten bereits unsere weitsichtigen Vorväter in den Jahren um die Jahrhundertwende. Deshalb erfolgte zwischen 1897 und 1910 der viergleisige Ausbau des Streckenabschnittes und die Eröffnung des Bahnhof Dresden-Reick (1907) sowie des Haltepunkt Dresden-Strehlen (1902). Damit war die Grundlage für einen vom Fern- und Güterverkehr unabhängigen Vorortverkehr geschaffen, der sich in den zwanziger und dreißiger Jahren eines immer regeren Zuspruches erfreute.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden von 1946 bis 1948 als Reparationsleistungen für die Sowjetunion zwei Fernbahngleise und ein Vorortgleis abgebaut, d.h. der gesamte Zugverkehr vollzog sich eingleisig. Dass dies nur mit einer einschneidenden Verringerung der Zugzahlen auf dieser wichtigen Hauptbahn möglich war, versteht sich von selbst. Zwischen 1952 und 1956 baute man schrittweise das zweite Vorortgleis wieder auf, was zu einer gewissen Entspannung der bis dahin herrschenden Einschränkungen in der Streckendurchlassfähigkeit beitrug. War doch die Strecke nach Gründung der DDR zu einem wichtigen Teil der grenzüberschreitenden Nord-Süd-Magistrale geworden. Die Leistungsfähigkeit aus den Jahren vor 1946 konnte jedoch nicht mehr erreicht werden, auch nicht durch den 1976 eröffneten elektrischen Betrieb.
Derzeit ist der zweigleisige Abschnitt Pirna - Dresden Hbf mit 214 Zügen pro Tag an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gelangt. Die notwendige Verdichtung des S-Bahn-Taktes und ein qualitativ hochwertiger S-Bahn-Verkehr nach den bereits beschriebenen Prämissen sind unter Beibehaltung des Mischbetriebes von S-Bahn, Fernbahn und Güterverkehr nicht möglich.
Aus diesem Grunde beschloss der Freistaat Sachsen am 05. 12. 1995, zunächst für den Abschnitt Pirna - Dresden Hbf ein geeignetes S-Bahn-System einzuführen. Die Bundesrepublik Deutschland stellt dazu finanzielle Mittel in Höhe von rund 290 Mio DM zur Verfügung. Der Freistaat beteiligt sich mit ca. 70 Mio DM und die DB AG steuert rund 40 Mio DM bei. Im Ergebnis der Abstimmung zwischen Bund, Freistaat und der DB AG erfolgt durch diese in einem 1. Bauabschnitt der viergleisige Ausbau der Verbindung Pirna - Dresden Hbf. Danach werden die derzeitigen Betriebsgleise mit den Bahnsteigzugängen ausschließlich von der S-Bahn benutzt, während Fern- und Güterzüge mit 160 km/h die auf dem momentan noch freien Planum neu zu errichtenden zwei Gleise befahren. Somit ergeben sich für die S-Bahn bei einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h folgende Taktzeiten :
Nach dem 1. Spatenstich im Bahnhof Pirna am 01. Oktober 1996 und den anschließenden Bauarbeiten im Bahnhof Pirna sowie im Abschnitt Pirna - Heidenau begannen am 01. Juni 1999 nun auch die S-Bahn-Baumaßnahmen im Dresdner Hauptbahnhof.
Diese vollziehen sich im engen Zusammenwirken mit den folgenden parallel laufenden, jedoch nicht zum S-Bahn-Baugeschehen zählenden Vorhaben im Bereich des Hauptbahnhofes:
Im Bereich der Ostseite (Ostkopf) des Dresdner Hbf erfolgen innerhalb des S-Bahn-Ausbaues:
Somit wird im Endzustand die S-Bahn aus/in Richtung Pirna ausschließlich durch die Nordhalle geführt.
Die Brücke über die Uhlandstraße erhält als Ersatz für die vorhandenen stählernen Überbauten eine moderne Einfeldkonstruktion aus Trägern in Beton. Im Nordbereich der Brücke über die Mary-Wigman-Straße werden auf Grund der stark zu verändernden Gleislage Verbundrahmenkonstruktionen die bestehenden Dreifeldüberbauten ersetzen. Der südliche Brückenteil bleibt bestehen. An den neuen Überführungen über die Prager Straße finden keine Veränderungen statt.
Im Anschluss an die bereits genannte, separat durchzuführende Erneuerung der Gleistragwerke unter der Nordhalle erfolgt der Umbau des dortigen Bahnsteiges 18/19 zum reinen S-Bahnsteig mit einer Höhe von 55 cm. Ausgerüstet mit einem behindertengerechten Aufzug, einem modernen Informations- und Wegeleitsystem (Lautsprecheranlagen, Zugzielanzeiger Uhren, Infokästen, Wegweiser) sowie zeitgemäßen und vandalismusresistenten Warteeinrichtungen wird er den Ansprüchen der Landeshauptstadt Dresden an eine moderne S-Bahn-Zugangsstelle vollauf gerecht.
Auf der Westseite ist vom Ausfahrbereich
Nordhalle (Bahnsteig 18/19) in Richtung Dresden-Neustadt der Neubau zweier separater
S-Bahngleise, vorerst bis zur Rosenstraße, vorgesehen. Dabei wird zum
einen der Bahnkörper in Richtung Busabstellplatz verbreitert (Abtragung
der vorhandenen Stützmauer) und zum anderen
an der Rosenstraße eine vorläufige Einbindung zur vorhandenen Strecke
nach Dresden-Neustadt geschaffen.
Im gesamten umzubauenden Bereich erfolgen der teilweise Neubau der Oberleitung bzw. eine Anpassung der bestehenden Einrichtungen an die veränderte Gleislage.
Alle sicherungstechnischen Anlagen (Weichen, Signale usw.) werden im Endzustand mit dem im Rahmen des Ausbaues des Dresdner Knotens zu errichtenden Elektronischen Stellwerk Dresden Hbf gekoppelt.
Wenn im September 2002 der S-Bahn-Bereich im Dresdner Hbf komplett erneuert ist, wurden in dessen Um- und Neubau ca. 60 Mio DM investiert.
Liebe Mitbürger von Dresden, sehr geehrte Fahrgäste,
trotz der Tatsache, dass die anstehenden
Bauarbeiten nur durch qualifizierte Facharbeiter und Ingenieure durchgeführt
sowie moderne umweltfreundliche Baumaschinen zum Einsatz gelangen, können
wir zeitweise Belästigungen durch Lärm, Schmutz und Verkehrseinschränkungen
nie ganz ausschließen. Alle von uns
beauftragten Unternehmen sind bestrebt, solche Auswirkungen so gering wie möglich
zu halten bzw. sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Eventuelle vorübergehende
Veränderungen in den Bahnsteigzuwegungen sowie Fahrplanänderungen
werden wir rechtzeitig in der Presse, auf Faltblättern bzw. auf dem Hauptbahnhof
vor Ort, an der Anzeigetafel und in Schaukästen veröffentlichen.
Wir bitten vor allem die Anwohner in nächster Nachbarschaft der Baustellen schon heute um Verständnis und Geduld. Sollte jedoch nach Ihrem Empfinden einmal die Beeinträchtigung durch unsere Baustellen die Grenze des Zumutbaren überschreiten, dann setzen Sie sich bitte umgehend mit unserer Bauüberwachungszentrale in Verbindung.
Der zweigleisige Streckenabschnitt Pirna - Dresden wird zur Zeit vom S-Bahn-Vorläuferverkehr im Mischbetrieb mit dem Personenfernverkehr dem Güterverkehr und dem sonstigen Regionalverkehr genutzt. Ein qualitativ hochwertiger S-Bahn-Verkehr ist bei Beibehaltung des Mischbetriebes auf dieser zweigleisigen Strecke nicht möglich. Der künftigen S-Bahn werden die vorhandenen Betriebsgleise mit den Haltepunkten und Bahnsteigen zugewiesen und entsprechend umgebaut. Infolge der Trennung von S-Bahn, Fern, Regional- und Güterverkehr müssen wieder zwei neue Streckengleise auf dem gleisfreien Teil des ehemals viergleisigen Streckenabschnitts errichtet werden. Auf dem Abschnitt Pirna - Dresden wird nun die Viergleisigkeit nach den modernen Eisenbahnbauregeln errichtet. Beim Streckenausbau wird den Schutzerfordernissen für Anwohner, bahnnahe Landschaft, Boden, Gewässer und Denk male der Verkehrsgeschichte eine hohe Aufmerksamkeit entgegengebracht. Die Wiederherstellung der Viergleisigkeit bringt keine neuartigen Umweltbelastungen.
Traditionell besteht am Streckenabschnitt Pirna - Dresden mit seinen weitgehend einheitlichen Wohn und Gewerbestandorten ein "Leben an der Bahn". Eine Verbesserung der derzeit schalltechnischen Belastung kann durch den Umbau der Gleise und Brücken sowie durch den Einsatz modernster Fahrzeuge vorhergesagt werden. Gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen in den betroffenen Gebieten werden einen ausreichenden Schutz vor Lärm und Schwingungen gewährleisten. Auf einigen Flächen entlang des Streckenabschnitts müssen kontaminierte Bodenbereiche auf ökologische Altlasten untersucht werden. Bei den Tiefbauarbeiten werden dann notwendige Bodensanierung, Schotterreinigung und Sicherung gegen Kampfmittel des II. Weltkrieges durchgeführt.