| Die Eisenbahn in Sachsen und der Sächsischen Schweiz | ||||||||||||
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| Dresden-Pirna-Schöna | Kurort Rathen | |||
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Schon wenige 100 Meter vor Rathen wird einer der großartigsten Abschnitte des gesamten Elbtales durchfahren. Das Basteimassiv bricht in gewaltigen, bis zu 200 m hohen Felsfronten unmittelbar zur Elbe ab. Schließlich kommt die Bastei selbst. Zu erkennen sind das Restaurant, der weltberühmte Aussichtspunkt mit der Basteibrücke, die Felsenburg Neurathen und am vordersten Riff den Kletterfelsen "Mönch" mit einer markanten Metallfigur auf dem Gipfel. Gegenüber der Bastei, durch die Elbe getrennt, befindet sich der noch besetzte Bahnhof Rathen. Er liegt in im großen Bogen des Elbtales und kann mit 4 parallelen Gleisen aufwarten (nicht im Bahnsteigbereich). Die 2 zusätzlichen Gleise werden oft zum Abstellen der S-Bahnen bei einer Vorbeifahrt der ICs oder ECs genutzt, da diese Vorrang auf der Strecke haben. Unmittelbar angrenzend an den Bahnsteigsbereich befindet sich ein beschrankter Bahnübergang. Insgesamt queren 3 mal Wege ebenerdig in Rathen die Bahngleise. Bahnhofsgeschichte, Umbauarbeiten und Schicksal des historischen Brunnens am Bahnsteig Ende 1999 führte die Deutsche Bahn AG am Bahnhof umfangreiche Bauarbeiten durch. So wurden beide Bahnsteige komplett neu gebaut, Geländer angebracht und die Unterführung saniert. Hinzu kam die Rekonstruktion der Holzaufbauten. Um den Bahnhof behindertengerecht zu gestalten, ist der Bau einer Rampe an der Strecke Usti-Decin-Dresden vorgesehen. Im Zuge der Vorarbeiten für diese Rampe wurde nun ein Brunnen entdeckt. Aus Sandstein gemauert, mit einem Durchmesser von 97 Zentimeter und einer Tiefe von rund 13 Meter, stellt er ein seltenes Relikt aus der Entstehungszeit der Eisenbahn dar. Die infrastrukturelle Erschließung Rathens begann mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke 1851. Vorausgegangen waren recht schwierige Trassierungsarbeiten, musste man sich doch an die sehr hohe Linie des Hochwassers von 1845 halten. In den folgenden Jahrzehnten erfolgte der schrittweise Ausbau des Bahnhofs. 1901 entstand die Unterführung, 1905 folgte das Bahnhofsgebäude. Maßgeblich beteiligt war der Reichsbahningenieur Stiehler, ein Schwiegersohn des Besitzers des nahe gelegenen Bahnhotels (jetzt Ettrichs Restaurant zum Bahnhof) Willi Kadner. In die Jahre zwischen 1851 und 1900 fällt auch die Erbauung des Brunnens. Mit einer Handpumpe versehen, diente er der Versorgung des Bahnpersonals mit Wasser. Was wird mit diesem schönen und seltenen Bauwerk geschehen? Soll man ihn erhalten und der Nachwelt zugänglich machen oder soll man ihn lieber wieder überbauen, da er ja bisher auch nicht zugänglich war? Sieht man das Problem rein juristisch, so ist die Antwort einfach. Das Sächsische Denkmalschutzgesetz vom 3. März 1993 sagt unter § 2, Abs. 1 aus: "Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind vom Menschen geschaffene Sachen, Sachgesamtheiten, Teile und Spuren von Sachen einschließlich ihrer natürlichen Grundlagen, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, städtebaulichen oder landschaftsgestalterischen Bedeutung im öffenlichen Interesse liegt." In Absatz 2 steht zu lesen: "Zu einem Kulturdenkmal gehören auch das Zubehör und die Nebenanlagen, soweit sie mit der Hauptsache eine Einheit von Denkmalwert bilden." Beide Bedingungen sind erfüllt. Daher steht der gesamte Bahnhof bereits unter Denkmalschutz. Der Brunnen ist Zubehör und Nebenanlage, bildet also mit der Hauptsache eine Einheit von Denkmalwert. Die vielen Wanderer und Naturfreunde, welche Rathen besuchen und gerade daher lieber mit dem Zug als mit dem Auto fahren, werden wohl die Sicht des heimatverbundenden Menschen teilen, dass Brunnen die Lebensadern früherer Jahrhunderte waren. An ihnen traf man sich, dort wurden Informationen getauscht und weitergetragen. Viele alte Bräuche, wie das
Holen des Osterwassers, beziehen sich auf sie. Märchengestalten waren
in ihnen zu Hause und beflügelten das Dichterwort. "Am Brunnen vor dem
Tore" fand man die innere Einkehr und nichts wog schlimmer als wenn man
"dem Nachbarn den Brunnen vergiftete". Doch wie wird die Realität aussehen?
Die Deutsche Bahn AG hat auf denkmalpflegerischem Gebiet viel geleistet.
Stellvertretend sei nur die Rekonstruktion des Dresdner Neustädter Bahnhofs
genannt. Ob das Schicksal des Rathener Brunnens einen ähnlich glücklichen
Ausgang findet bleibt abzuwarten.
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| von Sascha Fritzsche |