Die Eisenbahn in Sachsen und der Sächsischen Schweiz
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Das älteste und fast originalgetreu erhaltene Bahnhofsgebäude der Strecke befindet sich in Niederau. 18 Jahre war der Bahnhof die nächstgelegene Bahnstation zu Meißen, daß selbst keinen Anschluß an die Linie Dresden-Leipzig bekam. Die eigenartige Bausituation, Doppelstellung und Stil des Empfangsgebäudes des Bahnhofs Niederau erklären sich aus seiner Baugeschichte. Bereits während der Planung des Bahnhofes hatte die Rittergutsbesitzerin von Oberau, Freifrau von Werthern, die schon für den dortigen Bahnhof ein Restaurant baute, am neuanzulegenden Bahnhof Niederau Flurstücke gekauft und die Schankgenehmigung erworben, um auch hier einen attraktiven Gasthof zu errichten; ihr Schwiegersohn, von Oppel, war Amtshauptmann von Meißen !

Seine Entstehung verdankte der Bahnhof Niederau unter anderem den Bemühungen der Stadt Meißen um eine Zubringerstraße zur Leipzig-Dresdner Eisenbahn, die nach Niederau eine kürzere und bequemere Verbindung ergab als zum Bahnhof Oberau, dessen ungünstige Lage hoch über dem Einschnitt der Tunneleinfahrt jenseits der Bahnlinie die Zufahrt von Meißen sehr erschwert und eine spätere Erweiterung der Bahnhofsanlagen kaum gestattet hatte. Anstelle dieser mehr oder weniger improvisierten Bahnhofsanlage wurde daher zugleich mit der neuen Straße von Meißen in Niederau ein neuer Bahnhof gebaut, dernach anderthalbjahriger Bauzeit am 1. April 1842 vollendet und am 15. Mai 1842 in Betrieb genommen werden konnte.

Der »Schweizerhaus-Stil« seiner Haupt- und Nebengebäude war in der Dresdner Gegend, besonders seit
Entdeckung der romantischen Felsenwelt der Sächsischen Schweiz als Ausflugsgebiet, für Villen, Ausflugsgaststätten usw. beliebt geworden. Doch entsprach er nicht nur dem romantischen Zeitgeschmack, sondern das dazugehörige Pfettendach, das mit dem beginnenden Verfall des Handwerks im 19.Jahrhundert Verbreitung fand, war leichter herzustellen als das traditionelle steile Sparrendach und außerdem für flachgeneigte, zunehmend mit Pappe gedeckte Bahnhofsdächer die geeignetere Konstruktion.

Zum Bahnhof Niederau gehörten 1842 noch eine Wasserstation, Güterschuppen und ein Nebengebäude für den Zubringerverkehr Meißen-Niederau mit Stallungen für 20 Pferde, Remise für 4 Wagen, einer Kutscher- und Hausknechtstube. Zwei Pferde konnte hier auch das Meißener Postamt einstellen. Dieser Verkehr war zu den Leipziger Zügen sehr rege, zu den Zügen nach Dresden aber nicht, weil die Droschkenkutscher für eine Fahrt von Meißen nach Niederau 5 Neugroschen verlangten. Daher bevorzugten Reisende nach Dresden die direkten, billigeren und schnelleren Kutschfahrten, bis am l. Dezember 1860 die Zweigbahn Coswig-Meißen der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie eröffnet wurde, die auch das seit 1852 als Konkurrenz aufgetretene Dampfschiff aus dem Felde schlug.

Die Hauptkosten betrugen 1842 für den Bahnhof Niederau:

Grund und Boden = 800 Taler,
Stationsgebäude (ohne Zisternen) = 4800 Taler,
Restaurant = 7400 Taler,
Ausmalen des Restaurants = 200 Taler,
insgesamt 13200 Taler.
Die Niederauer Bahnhofsgebäude blieben im wesentlichen in ihrer Ursprungsform erhalten. 1862 bekam das Fachwerk des Restaurationsgebäudes eine Holzverschalung. 1877 wurden in dieses Gebäude Beamtenwohnungen eingebaut und die Bahnhofsgaststätte in den Betriebsteil verlegt. Seit 1907 verbindet ein Stellwerk beide Bauten. Als älteste Bahnhofsgebäude Deutschlands stehen sie unter Denkmalschutz. 1988 wurde das Empfangsgebäude umfassend saniert im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 150. Streckenjubiläum 1989.
 

Bahnhof Niederau

Bahnhof Niederau
Das imposante
Bahnhofsgebäude
im April 1997

         
    von Sascha Fritzsche