Die Eisenbahn auf dem Darß
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Barth-Prerow (Darßbahn)   Die Bahn in den Jahren 1918 bis 1945    

 

       
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Der Krieg hinterließ nach seinem Ende 1918 in Deutschland eine zerrüttete Wirtschaft. Das blieb nicht ohne spürbare Auswirkungen auf die soziale Lage in den Küstengebiet. In den Dörfern wurden große Anstrengungen unternommen, um das Bäderwesen als eine wichtige Erwerbsquelle wieder zu entwickeln. Inflation, Krise und Massenarbeitslosigkeit machten das Reisen für viele Bevölkerungskreise - auch aus kleinbürgerlichen Schichten - nahezu unmöglich. So waren 1926 in Prerow noch nicht wieder die Gästezahlen des letzten Vorkriegsjahres 1913 erreicht.

Neue Ideen kamen auf, so z.B. die zu einer durchgehenden Eisenbahnstrecke längs der Küste. So wurde 1925 mit dem Baubeginn der Strecke Rövershagen - Graal-Müritz für eine Verlängerung der Strecke über Wustrow nach Born und Wieck durch die Mecklenburgische Bäderbahn-Aktiengesellschaft plädiert. In einem Artikel im "Stettiner Generalanzeiger" vom 8.7.1925 unter der Überschrift "Fundamentlose Projekte" traten aber vor allem die Naturschützer energisch dagegen auf.

Nachdem sich der Vorsitzende des Komitees zur Verlängerung der Mecklenburgischen Bäderbahn nochmals vergeblich nach Stralsund und Schwerin wandte, lehnte die Reichsbahndirektion Stettin das Projekt am 5.11.1925 mit der Begründung ab, das bisher keine wesentlichen Änderungen in den Wirtschafts- und Verkehrsverhältnissen im Raum Prerow aufgetreten sind.

Auch Ribnitz wünschte keinen Bahnanschluß über das Fischland und den Darß nach Prerow. Zwar war man in Ribnitz um 1900 noch für die Bahn gewesen, 1920 aber bereits dagegen. Die Stadt wollte zwischen Dierhagen und Wustrow ein Ostseebad Ribnitz erbauen. 1928 erklärte die Ribnitzer Stadtverordnetenversammlung, man werde niemals für eine Fischlandbahn auch nur einen Quadratmeter Boden zur Verfügung stellen. 1930/1931 schlief dann dieses ganze Eisenbahnprojekt ein.

Die schwierige Nachkriegssituation wirkte sich auch auf den Eisenbahnverkehr aus und traf so auch die Strecke Barth-Prerow. In der Presse 1919/20 war immer wieder von Zugverkehrseinschränkungen wegen der Betriebs- und Kohlenlage die Rede. Das "Barther Tageblatt" vom 29.1.1919 teilte mit, daß der Vormittagszug von und nach Prerow nur noch Mittwoch und Sonnabend fährt, nachdem ohnehin nur wenige Zugpaare verkehrten. Im Sommer 1920 war dann wieder von Zugverkehrsverbesserungen zu lesen. Die Beschränkungen im Fahrkartenverkauf wurden aufgehoben, der Personenzugverkehr an Sonn- und Feiertagen in beschränktem Maße wieder aufgenommen.

1926 verkehrten die Züge nach diesem Fahrplan:

Zug 288 ab Barth 6.02 Uhr an Prerow 6.40 Uhr
Zug 289 ab Prerow 7.00 Uhr an Barth 7.38 Uhr
Zug 291 ab Barth 9.16 Uhr an Velgast 9.40 Uhr
Zug 292 ab Velgast 10.01 Uhr an Prerow 11.11 Uhr
Zug 295 ab Prerow 12.20 Uhr an Velgast 13.41 Uhr
Zug 294 ab Velgast 14.48 Uhr an Prerow 16.15 Uhr
Zug 297 ab Prerow 17.20 Uhr an Velgast 19.12 Uhr
Zug 298 ab Velgast 19.45 Uhr an Barth 20.16 Uhr

Danach trat auf dem gesamten Abschnitt Velgast-Prerow Dienstruhe ein. Das Lokpersonal war dem Bahnhof Barth unterstellt. Zur Verbesserung der allgemeinen Verkehrslage auf dem Darß schlug die Reichsbahndirektion Stettin den Gemeinden Prerow, Wieck und Born den Bau einer "Kunststraße" zwischen Prerow und Born vor. Das Projekt wurde verwirklicht und l929 meldete das "Barther Tageblatt": "Seiner Vollendung entgegen geht der Bau der Straße Prerow-Wieck-Born. Diese Straße ist 12 km lang und mit festem Steinmaterial ausgeführt. Die Bausumme beträgt 575 000 RM. Die Anschlußstrecke Prerow-Zingst ist für die nächste Zukunft in Aussicht genommen und später vielleicht im Anschluß der Bau der Straße Ahrenshoop-Born.

Es würde damit eine geradezu ideale Verbindung zwischen den Badeorten des Fischlandes und den Darßbädern geschaffen werden. Auf der Strecke Prerow-Wieck-Born unterhält die Reichsbahn seit vorigem Jahr einen Auto-Omnibusverkehr, der lebhaft in Anspruch genommen wird und wesentlich zur Erschließung der bisher halb verlassenen Gegend beiträgt". Bis zum Bau der befestigten Straße Prerow-Born gelangte man nur auf ausgefahrenen Waldwegen zu den Darßdörfern. Neben der Omnibuslinie Prerow-Born unterhielt die Deutsche Reichsbahn noch eine Kraftwagenverbindung Barth-Fuhlendorf-Zingst.

Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre verlief der Betrieb der Darßbahn normal, ohne besondere Vorkommnisse. Die Zahl der Badegäste stabilisiert sich (in Prerow waren es um die 5000 jährlich, was der damaligen Aufnahmekapazität entsprach). Der Güterverkehr wurde vor allem über amtliche Bahnspediteure abgewickelt, private Fuhrunternehmer, denen vom Bahnhofsvorsteher die Lizenz übergeben wurde.

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Darßbahn. Ab 21.5.1934 war die zugelassene Geschwindigkeit auf der Strecke auf 50 km/h festgelegt worden. Bereits am 17.12.1935 begann der Bau der Gleisanlagen zum Fliegerhorst Barth. Der Anschluß wurde in den Bahnhof Barth gelegt und die Bedienung der 6 km langen Anschlußbahn erfolgte als Rangierfahrt. Ein anderes Vorhaben war der Bau einer Anschlußbahn für den neu errichteten Rüstungsbetrieb "Pommersche Industriewerke GmbH" (PIW) in einem Waldgebiet bei Barth. Der Anschluß zweigte bei km 33,550 auf dem Bahnhof Tannenheim von der Darßbahn ab. Am 19.11.1941 wurde durch das Betriebsamt Stralsund 2 die "Vorläufige Anweisung für die Sicherung der Zug- und Rangierfahrten im Privatanschlußgleis der Pommerschen Industriewerke GmbH in Barth auf dem Bf Tannenheim" in Kraft gesetzt.

Das Werk besaß für die Beförderung der dort beschäftigten Fremd- und Zwangsarbeiter einen eigenen Zugpark, bestehend aus Beutewagen der französischen Staatsbahn. Ein Zug verkehrte mit einer werkseigenen Lok zwischen Barth und dem Werk sowie in Richtung Prerow. Als Werklok wurde u.a. eine 2-B-Lok der Naugarder Bahn, Baujahr 1901, eingesetzt. Mit dem Bau des Flugplatzes Barth, der Errichtung der Pommerschen Industrie-Werke und der Durchführung militärischer Maßnahmen auf dem Zingst nahm der Eisenbahnbetrieb erheblich zu.

Im Jahre 1937 hatte Barth die 16-m-Drehscheibe von Altefähr erhalten, die durch den Bau des Rügendamms überzählig geworden war. Mit der Zunahme des Güterverkehrs kamen hauptsächlich Lokomotiven der Baureihe 57 und teilweise der Neubaulok BR 50 (ab 1939) auf der Darßbahn zum Einsatz. Die Lokomotiven der BR 57 mit einem Achsstand von 14050 mm konnten noch in Prerow von Hand gedreht werden. Die Reisezüge wurden bis Mitte der 30er Jahre mit Tenderlokomotiven der BR 74 und 78 gefahren, die dann von Lokomotiven der BR 64 abgelöst wurden. Vor allem durch die "Kraft-durch-Freude"-Aktivitäten der Faschisten hatte in jenen Jahren auch der Bäderverkehr zur Küste eine starke Entwicklung genommen, so daß in den Saisonmonaten Kurswagen sogar von Hamburg Richtung Prerow liefen.

1940 hatte Prerow 6500 Badegäste - mitten im ersten Kriegsjahr ! Im April 1944 ereignete sich in Prerow der einzige wirklich schwere Unfall auf der Darßbahn. Unter dem einfahrenden Personenzug 296 wurde die Einfahrweiche umgestellt, wodurch mehrere Personenwagen entgleisten und umstürzten. 7 Fahrgäste fanden dabei den Tod. Ein Bahnhilfsarbeiter hatte die fernbedienbare Einfahrweiche "angefaßt" in der Meinung, der Zug wäre schon durch.

 

 

         
    von Sascha Fritzsche