Das typische Summen der älteren, rekonstruierten Triebwagen auf der S-Bahn Berlin hält die Legende aufrecht, wenn auch die aus den 20ern stammenden Fahrzeuge der Baureihe 475 schon aus dem Verkehr gezogen sind. Im Gegensatz zur Hamburger S-Bahn, auf der bis vor kurzem recht ähnliche Fahrzeuge anzutreffen waren, gehört die Berliner S-Bahn nicht unmittelbar der DB-AG, sondern ist eine 'Tochter'. Man hört allerdings, daß die Staatsbahn daran denkt, den gesamten ÖPNV in Berlin unter ihre Regie zu bekommen.
Frühmorgens am 12.04.1998 hält 477 159 auf seiner S7-Tour kurz in Charlottenburg. Wenn er denken könnte, würde er sich wundern, daß er, damals mit RM gekauft und heute mit DM-zahlenden Fahrgästen in sich, nun auch noch für die zweifelhafte Sache des Euro werben soll ...

Nachdem die BVG 1984 den durch Streik zu großen Teilen zum Erliegen gekommenen S-Bahn-Verkehr übernommen hatte, war bald klar, daß man neue Triebfahrzeuge beschaffen mußte. So kamen Ende 1986 die ersten 480er-Triebwagen auf die Berliner Gleise. Die Prototypen waren in graublau gehalten, doch die Berliner entschieden sich klar für die traditionelle, ocker-rote Lackierungsvariante.
Ein S-Bahn-Zug mit 480 052 an der Spitze wird sich am 08.06.2000 gleich von Wannsee aus auf die lange S1-Fahrt nach Oranienburg machen. Dabei wird er in der Innenstadt auch den Nord-Süd-Tunnel durchfahren - Reisen im Untergrund ist kein Privileg der U-Bahn-Fahrgäste. Seit dem 15.06.2002 ist die Ringbahn nun auch wieder durchgängig befahrbar.

Auch die Deutsche Reichsbahn als Betreiberin der S-Bahn im Osten Berlins wollte einen Ersatz für die Vorkriegs-Triebwagen beschaffen. Schon 1959 versuchte man sich an einer Neukonstruktion mit Jacobsdrehgestellen, die jedoch offenbar nicht den Anforderungen genügte. Daher landeten die beiden als ET170 bezeichneten Triebwagen schon 1966 bzw. 1970 auf dem Schrottplatz.
Ein besserer Wurf war der unter Zuhilfenahme westlicher Patente gefertigte 485er-Zug. Ab Mitte der 80er-Jahre wurden die Fahrzeuge gebaut und sind seit der Wende auch im ehemaligen Westteil Berlins im Einsatz. Eine Garnitur mit 485 082-2 ist am 07.06.2000 zwischen Schöneweide und Spindlersfeld anzutreffen.

Nach der Wiedervereinigung wurde dann nochmals ein weiterer S-Bahn-Typ von der Firma Adtranz auf die Gleise gestellt, der nun von Bombardier weiterproduziert wird. Der von den Berlinern liebevoll als "Taucherbrille" benannte Triebwagen ist nach modernsten Erkenntnissen gefertigt und gestattet auch den Durchgang zwischen zwei zusammenhängenden Wagen - hoffen wir, daß er noch so manche bislang im Dornröschenschlaf befindliche oder abgebaute S-Bahn-Strecke befahren kann, wie zum Beispiel die "Stammbahn" von Potsdam über Zehlendorf in die Innenstadt, die man wohl wieder aufbauen will.
Am 09.06.2000 sollte eine Garnitur mit 481 077-6 Fahrgäste aus der Landeshauptstadt Potsdam in die Bundeshauptstadt bringen.
Hersteller


Zum Abschluß unserer Berlin-Reise noch ein Blick auf eine gute Idee auf Rädern: Der Triebwagen mit 488 501-8 an der Spitze ist ein aus älteren Wagen umgebauter Panorama-Zug, der am Wochenende Touristen aber auch Berlinern völlig neue Einblicke in die Stadt gewährt. Nicht nur er, sondern auch ein strenges Konzept von Sauberkeit, Pünktlichkeit und Sicherheit haben der S-Bahn Berlin wieder einen sehr guten Ruf beschert - die Berliner nutzen die S-Bahn wieder reichlich, nachdem sie aus politischen Gründen leider jahrzehntelang ein Schattendasein im Westteil der geteilten Stadt führen mußte. Schade, daß dieses Renommee durch mangelhafte Wartung unf Massenausfall der Tw 2009 wieder beschädigt wurde ...
Hier hält der Triebzug aus 488 001, 888 001 und 488 501 am warmen, sonnigen 10.06.2000 im S-Bahnhof Charlottenburg. Für Abkühlung sorgt eine Klimaanlage an Bord, und wer zuviel Berliner Weiße getrunken hat, kann die Bord-Toilette aufsuchen - die Wagen sind durchgehend gekuppelt.